AUS DEM LOCH

 

Ihr kennt diesen unangenehmen Zustand des SICH UNWOHL FÜHLENS, der dann zu spüren ist, wenn ihr gerade endlich etwas Zeit haben, um euch hinzulegen und eigentlich um nichts kümmern und mit niemandem sprechen wollt. Das klingt völlig blöd, ist aber manchmal so! Statt es zu genießen und Energie zu tanken, fängt man plötzlich an zu grübeln, sich traurig oder ängstlich zu fühlen, und der Kopf oder der Bauch tut auch noch weh. Was ist denn jetzt los?

 

 

Oder, oh, große Freude, ihr fährt in den Urlaub! Ihr habt alles gut geplant und wartet sehnsüchtig darauf, dass Genuss und Reiz und Inspiration auf euch zukommen. Aber nein, ihr spürt  eindeutig die totale Unlust, Unzufriedenheit und Sinnlosigkeit, die ihr gar noch mehr verstärkt dadurch, dass ihr versucht, sie zu bekämpfen, zu ignorieren oder als unberechtigt zu bewerten. Warum fühlt ihr euch so unerwartet daneben?

 

 

Anatomisch gesehen hat die Natur den Mensch gut ausgestatten mit allen zum gesunden Leben notwendigen Ressourcen. Unter anderen, und darauf kommt es jetzt an, gibt es Sympathikus und Parasympathikus, zwei voneinander unabhängige, vollkommen autonome Systeme, die für Anspannung (Dynamik, Kraft, Antrieb, Interesse, Begeisterung) und Entspannung (Ruhe, in flow sein, Zufriedenheit, Geborgenheit, Sicherheit) sorgen. Im Idealfall, agieren diese Systeme im Rhythmus, so sieht es in der Regel auch in Körper aus: beim Atmen, beim Herzschlag oder Pulsschlag. Doch die Psyche ist stark dehnbar und der Mensch missbraucht diese Eigenschaft, indem er die Entspannungsphasen außen vor lässt und endlos (manchmal ganzes Leben lang) im Anspannungsmodus bleibt. Das ist der Normalfall. Deswegen gibt es ein Loch zwischen den beiden Zuständen, in das der Mensch reinfallen muss, bevor er zur Entspannung kommt. Gerade dann fühlt er sich total unwohl, psychisch und körperlich angeschlagen, absolut unzufrieden und gereizt. An dieser Stelle hat der Mensch immer noch die Wahl, diesen Zustand zu vermeiden, was er auch meist tut. Er strengt sich wieder an und ihm geht es dann wieder etwas besser. Nur die Entspannung bleibt wieder aus. So entsteht ein Teufelskreis, der mit ernsthaften und komplizierten psychischen Zuständen endet.

 

Was ist nun zu tun?

 

Ihr muss euer Unwohlsein akzeptieren, durchhalten und abwarten, bis es von allein aufhört. Dauer, Intensität und Art eures Loches ist davon abhängig, wie lange ihr schon im Anspannungsmodus unterwegs seid, und reicht von ein paar Stunden bis zu ein paar Monaten, von leichten Traurigkeitsgefühlen bis zur heftigen depressiven Verstimmung. Aber als Belohnung danach gibt es echte Entspannung mit den wiederkehrenden Gefühlen der Zufriedenheit, Inspiration, Geborgenheit und Kreativität.